Stromausfall – dagegen lässt sich etwas tun
Stromausfall. Seit Samstagmorgen (3. 1.) floss in Tausende Berliner Haushalte keine elektrische Kilowattstunde mehr. Besonders bitter für Leute dort, die mit Strom heizen. Ursache: ein Brandanschlag. Solche „Blackouts“ lösen Ängste aus. Nicht ganz unberechtigt. Denn tagelange Stromstopps für ganze Landstriche hat es in Deutschland immer wieder gegeben. Dagegen bieten sich allerdings heute auch technische Schutzmaßnahmen an.
Stromausfälle wie jetzt in Berlin werden immer wahrscheinlicher. Nicht allein wegen Terroranschlägen, sondern auch wegen der Erneuerbaren Energien – so wird es oft behauptet. Die Fakten lesen sich freilich anders. Vor gut 20 Jahren, am 25. November 2005, gab’s im Münsterland keinen Strom mehr. 250.000 Leute saßen mehrere Tage ohne Elektrizität da. Ursache: Schwere Schneelasten zerstörten Leitungen. Damals, 2005, liefen noch alle Atom- und Kohlekraftwerke in Deutschland. Diese Stromerzeuger als sichere Quelle gegen Blackouts zu bezeichnen, hat also mit nachprüfbarer Wirklichkeit wenig zu tun.
Allerdings: Immer mehr Ansprüche ans Stromnetz belasten es. Flexibilität ist gefordert. In den Schaltzentralen der Elektrowirtschaft gibt es daher immer öfter zu tun.
Wie viele Stunden oder Minuten pro Jahr lässt sich aus elektrischen Steckdosen in Deutschland kein Strom beziehen? 12,8 Minuten. Im Gesamtjahr 2024. So die Angabe der Bundesnetzagentur vom 9. Oktober 2025*. Waren es „früher“ weniger? Nein. Denn auch nach dem Blackout im Münsterland 2005 gab es 2007 rund 17 Minuten lang keinen elektrischen „Saft“ im deutschen Netz. Im Jahr 2008 dann immer noch über 15 Minuten nicht. Laut „statista“** 2024 dann 12,8 Minuten. In letzter Zeit also in der Summe weniger Unterbrechungszeit im Netz als vor 20 Jahren.
Sind Blackouts – also längere Stromausfälle für ganze Gegenden – also heute noch möglich? Eindeutig: ja. Und der Umfang? Siehe die Ausfallzeiten oben. Allerdings: Die, die es trifft, trifft es meist hart. Zumindest heftiger, als es sich viele bisher vorstellen können. Denn wer denkt daran, dass nicht nur Lampen, sondern auch Aufzüge, Pumpeinrichtungen an Tank-Zapfsäulen, Glas-Schiebetüren an Supermärkten, Kühltruhen in Supermärkten oder die Pumpen mancher Klospülungen elektrisch betrieben werden? Ein breitflächig längeres Aus der Stromversorgung kann sich so zu bedrohlichen Staatskrisen ausweiten.
Was also tun? „Alltagstauglich“ alles, was auch ohne Strom funktioniert, bereithalten. Etwa Trinkwasser in Wasserkanistern (oder großen Flaschen). Lebensmittel, die über den Tag hinaus ausreichen. Notfalls lieber gleich für ein paar Wochen horten. Damit Szenen, wie sie Marc Eisbergs Thriller-Roman „Blackout“ beschreibt, vermeidbar sind. Dieser 800-Seiten-Wälzer erschien 2012 – und wurde seither über eine Million mal verkauft.***
Ein Jahr zuvor war dazu allerdings schon ein anderes Buch erschienen. Sein Titel: „Was bei einem Blackout geschieht. Folgen eines langandauernden und großräumigen Stromausfalls“. Verfasser des handlichen Bands war das „Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag“ ****. Und diese Fachleute schilderten darin, welche technischen Lösungsschritte tatsächlich auf einen Blackout folgen sollten. Nämlich das Wieder-Anfahren von Elektro-Generatoren dank „Eigenstrominsellösungen“. Und zwar „auf Basis erneuerbarer Energien“ ****.
Was heißt das konkret? Vor Ort bereits wirkende Eigenkräfte aus erneuerbaren Energiequellen übertragen ihre Wucht auf Generatoren. Zum Beispiel Wasserturbinen auf die Generatoren direkt neben dran. Ganz ähnlich wie Radfelgen auf Fahrrad-Dynamos – nur größer. Für eine „unterbrechungsfreie Notstromversorgung“. Diese technische Einrichtung passt räumlich in den Kofferaum eines VW Golf. Kostenpunkt (Stand: 2023): rund 1000 Euro.
„Unterbrechungsfreie Notstromversorgung“
Was bewirkt sie? Fällt im „normalen“ Netz der Strom aus, trennt diese „unterbrechungsfreie Notstromversorgung“ das hauseigene Netz in Sekunden-Bruchteilen vom „normal“-öffentlichen Stromnetz. Das eigene Hausnetz kann dann weiterhin mit elektrischen Kilowattstunden etwa aus dem Generator neben der eigenen Wasserturbine betrieben werden. Viele dieser „Eigenstrominsellösungen“ können dann nach und nach wieder Elektrizität ins allgemeine Netz liefern. Die Fachwelt spricht da von „Schwarzstart“.
Über so eine Einrichtung verfügt etwa eine Mühle in Oberschwaben. Mit Wasserkraft. Aber auch ein hauseigenes Sonnenstromkraftwerk im württembergischen Allgäu (mit Batterie und Wasserstoff) kann ähnlich arbeiten. Vorteil etwa von Wasserkraft und Biogas: Deren Motoren (bei der Wasserkraft „Turbinen“ genannt) bringen Schwungräder in Bewegung. Aus eigener Kraft – ohne Hilfe von außen. Deren Wucht bestärkt die Strom erzeugenden Generatoren umso stärker. Vergleichbares bieten Erdwärmekraftwerke. Ähnlich sinnvoll: Batteriespeicher – vor allem größere. Davon sind ab jetzt möglichst wirkungsvolle ans Netz zu bringen. Erste davon arbeiten bereits im schwäbischen Oberland.
Eigenstrominseln
Zu Stromausfällen kommt es also nicht hauptsächlich wegen Erneuerbarer-Energie-Nutzung (wie Sonne, Biogas, Wasserkraft, Erdwärme). Sondern solche Blackouts werden mit diesen Natur-Energien bekämpft. Mit „Eigenstrominsellösungen“, wie es das „Büro für Technikfolgenabschätzung“ beim Deutschen Bundestag schon 2011 vorgeschlagen hatte.
Ist Deutschland heute schon reif für solche „Inseln“? Noch nicht ganz. Aber zwischen Waterkant und Watzmann arbeiten an die 10.000 Biogasanlagen. Auch viele im schwäbischen Oberland. Und statt der etwa 80000 Wasserkraftanlagen heute waren um 1900 rund 80.000 Wasserkraftwerke in Dreh. Richtig saniert und optimiert, brächten viele dieser 8000 Kraftpakete auch mal die doppelte Strommenge. Vorteil von Biogas-, Erwärme- und Wasserkraftwerken: Ihre Energie steht bereits vor Ort bereit. Ohne Hilfe von außen. Dazu gesellt sich die wuchtige Schwungkraft der Wasserenergie, die das Nachbarland Vorarlberg in Speicherseen hortet.
Bremsen können solche natürlichen Kräfte allenfalls bürokratische Hürden. Davon gibt es in Deutschland viele – viel zu viele. Da kann etwa die Genehmigung eines neuen Wasserkraftwerks vor Ort jahrzehntelang dauern. Da ist dann die Politik gefragt. Nicht zuletzt vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg und den Kommunalwahlen in Bayern am 8. März 2026.
Die spanischen Dörfer
Schließlich wurde es andernorts in Europa schon vorgemacht, wie’s funktioniert. Siehe Vorarlberg. Zum Beispiel im ortseigenen Netz einiger Dörfer in Nordspanien. Dank ihres Wasserkraftwerks, einigen Diesel-Notstrom-Generatoren und einer Unterbrechungs-Automatik von den zentralen Leitungen dort koppelten sich diese Orte vom allgemeinen spanischen Stromnetz am 28. April 2025 ab. So war in diesen Dörfern vom ganztägigen Blackout im restlichen Spanien „nichts zu spüren“. Kein Blackout in diesen Dörfern. So berichtete es die Tagesschau *****.
Mal in eigenwillig nordspanischen Dörfern – und bald auch in Oberschwaben? Eigenstrominsellösungen“ gegen Blackouts“könnte es bald viele mehr geben – wenn sie gewollt werden. Politisch gesetzlich nicht behindert. Lieber „reif für die Insel“ als im Dunkeln und im Kalten.
Julian Aicher
Quellenangaben:
*
https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2025/20251009_Saidi_Strom.html
**
https://de.statista.com/infografik/28630/versorgungsunterbrechung-je-stromverbraucher-in-deutschland/
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https://de.wikipedia.org/wiki/Blackout_–_Morgen_ist_es_zu_spät
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https://www.buecher.de/artikel/buch/was-bei-einem-blackout-geschieht/33681353/
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https://www.tagesschau.de/ausland/europa/spanien-stromausfall-ursachen-100.html
„Das Dorf, das den Stromausfall nicht spürte“,“tagesschau“ vom 24. Mai 2025
Transparenzhinweis: Julian Aicher unterhält das Wasserkraftwerk Rotismühle und befasst sich seit gut 30 Jahren intensiv mit Erneuerbaren Energien.
www.rio-s.de

