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Bad Wurzach – 100 Gruppen, mehr als drei Stunden Länge, auch der diesjährige Narrensprung zum 75. Geburtstag der Riedmeckeler Zunft am Rosenmontag in Bad Wurzach geizte nicht mit Superlativen.
Traditionell eröffnete die Stadtkapelle in diesem Jahr mit ihrem in den Stadtfarben gehaltenen Fasnetshäs den diesjährigen Narrensprung in Bad Wurzach, allen voran mit Dirigentin Petra Springer als Kindsmagd-Bärli. Während es beim Aufstellungsplatz vor dem Hotel Rössle – noch bei Sonnenschein – nur so von Hästrägern wimmelte. Denn wohl dem, der wie die meisten einheimischen Gruppen eine frühe Lauf-Nummer hatte, denn ab der Mitte des Sprungs zog es zu und die letzten Gruppen wurden noch nass.
100 Gruppen
Die 100 Gruppen – davon 13 Musikgruppen – wurden an den drei Ansager-Positionen von jeweils drei fachkundigen Zunftmeistern in der Markstraße, beim Rathaus und in der Herrenstraße, vorgestellt. Das Revier auf der Straße von Willi Bu und einem Kollegen war die Schlossstraße, wo sich auf einem LKW die Ehrengasttribüne befand, von wo aus Daniel Wassner von den Haidgauern Chadaloh das närrische Geschehen kommentierte. Neben den Zunftoberen tummelt sich hier die politische Prominenz, wie Bürgermeisterin und Gemeinderäte.
Akrobatische Fähigkeiten
Vor allem die Hexengruppen zeigten ihre akrobatischen Fähigkeiten: Hexen-Pyramiden und -Karusselle und gab es zuhauf, einige Gruppen waren da sehr kreativ. Und was die Großen können, das können die Kleinen schon lange: Auch der Narrensamen der verschiedenen Zünfte war immer dabei, wenn die zuständigen Narrenmeister das Zeichen dafür gaben.
Aus der Großgemeinde waren natürlich alle Zünfte mit großen Abordnungen vertreten, etwa die Arnacher Schoafböck, die Deifelsböck aus Eintürnen, die Hauerzer Baadgoischd´r, die Garde und Narrengilde aus Unterschwarzach, die Seibranzer Langjupp und auch die Haidgauer Chadalohs. Diese waren so zahlreich dabei dass in der Ortschaft kaum noch jemand zu Hause gewesen sein dürfte.. Nicht fehlen durften natürlich die Freunde des Ungeziefers, die in diesem Jahr als Insekt aus Fernost, nämlich als Japankäfer – Narrenruf: Hosch Angschd vor em Uziefer – Ja panisch – unterwegs waren. Auch die Haidgauer Sippe, der man vor ein paar Jahren ihren Identitätsstiftenden Titel weggenommen hatte, war dabei. Eine Gauditruppe, die sogar auf eine längere Tradition zurückblicken kann als die Chadalohs, die im vergangenen Jahr 50jähriges Bestehen feierte.
Auch Leutkirch hat in diesem Jahr ein närrisches Geburtstagskind: Die Nibelgauer wurden 70 Jahre, während eine andere Zunft aus der großen Kreisstadt, die Diepoldshofer Krähenzunft, in diesem Jahre gerade mal das Laufen beziehungsweise Springen lernte. Wurzach-Premiere feierte auch die Narrenzunft Bettelspitz aus Schmalegg.
Zünfte auch aus Bayern dabei
Aber auch aus dem benachbarten Bayrischen, z.B. aus Memmingen, Altusried oder dem Illerwinkel waren große Abordnungen dabei. Dass der Landkreis Biberach ebenfalls sehr groß ist, zeigten etwa die Zeller schwarze Katz aus Eberhardzell aus der näheren Umgebung, dann aber auch diejenigen aus Laupertshausen bei Maselheim. Aus der Ulmer Gegend waren die Bobbele aus Oberelchingen angereist. Mit den weitesten Weg hatte wohl die Lauinger Zunft aus der Gegend von Günzburg zurückgelegt.
Auch weil es immer schwieriger wird, Musikkapellen, Fanfarenzüge, Lumpenkapellen oder Guggenmusiken zu engagieren, brachten viele Zünfte ihre rollenden Discos mit, um wenigstens einen Hauch von Musik dabei zu haben. Eine löbliche Ausnahme: neben der Stadtkapelle ist seit vielen Jahren auch der Musikverein Eintürnen mit von der Partie. Natürlich waren auch wieder die Riedspatzen Bad Wurzach mit ihrem Bürgermeister an der großen Trommel ebenso dabei wie die Fanfarenzüge aus Bad Wurzach, Leutkirch und Dürnach. Neben der Vollgasband aus Seibranz, der Guggenmusik aus Rötenbach, der Lumpenkapelle Aitrach, sorgten noch die Allgaier Long Dongs, die Allgaier Ur-Band und die Katastrophenband Rohrdorf, die am Vormittag auch beim Zunftmeisterempfang gespielt hatte, für beste Stimmung auf der Straße.
Beliebte Ziele der Narren waren wie immer junge, hübsche Mädchen. Und weil Konfetti eigentlich verboten ist, sind viele Zünfte auf biologisch Abbaubares umgestiegen: Sie füllten ihre Gretta und Wäga mit Herbstlaub, indem sie, wie die Seibranzer Langjuppen, den jungen Mädchen und Damen ein Schönheitsbad „verschrieben“.
Für die Kinder aber erwiesen sich die auf den ersten Blick furchteinflößenden Masken und Larven oft als freundliche, zu allerlei Schabernack aufgelegte und freigebige Narrenfiguren. Aber wer von Alt und Jung brav die verschiedenen Narrensprüche wie „Hoorig-hoorig,hoorig isch die Katz “ oder „No it huddla – Ofanudla“ beantwortete, durfte auf Gnade hoffen und bekam als Belohnung auch mal das eine oder andere – auch flüssige – Guatsle.
Im großen Diskozelt bei der Riedsporthalle angekommen, ließen es die Narren noch einmal so richtig krachen, ehe auch dieser Rosenmontagsumzug in Wurzach – für manche viel zu schnell, wieder Geschichte war.








































































































































