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Vor 900 Jahren wurde das Prämonstratenserkloster Mönchsroth gegründet

Ein Jahr lang feiert Rot a. d. Rot sein großes Jubiläum

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Foto: Seelsorgeeinheit Rot-Iller
Augustinus übergibt Norbert die Ordensregel (Gemälde in der Sakristei der Roter Pfarrkirche, Ausschnitt).
veröffentlicht am: 18.01.2026
Autor: Herbert Eichhorn
Lesedauer: ca. 7 Minuten

Rot a. d. Rot – Ein Chronist des Klosters schrieb 1787, der Hl. Norbert, der Stifter des Prämonstratenserordens, höchstpersönlich habe 1126 den Grundstein zur Roter Kirche gelegt. Das ist nicht sehr wahrscheinlich. Aber das Gründungsjahr stimmt. Daher hat Rot an der Rot dieses Jahr Großes zu feiern und macht das mit einem eindrucksvollen Festprogramm.

Ein aufstrebender neuer Orden

Neben Franz von Assisi und Dominikus zählt Norbert von Xanten zu den großen, charismatischen Ordensgründern seiner Zeit. Wie diese stammte er aus einer reichen Familie, sagte sich aber nach einem religiösen Erweckungserlebnis von allem Besitz los. Er wurde zunächst Wanderprediger und später Eremit. An Weihnachten 1121 gründete er schließlich in Prémontré in der Nähe der nordfranzösischen Stadt Laon eine Ordensgemeinschaft, die die Regeln des Kirchenvaters Augustinus annahm. Der neue Orden erlebte innerhalb weniger Jahre einen erstaunlichen Aufschwung mit Klostergründungen in halb Europa. Bevor fünf Jahre später das Kloster in Rot gegründet wurde, hatte es bereits rund 20 Neugründungen gegeben. Als Norbert – mittlerweile Erzbischof von Magdeburg – 1134 starb, waren es fast einhundert.

Einzug zum Pontifikalamt zur Eröffnung des Jubiläumsjahrs im September 2025. Foto: Seelsorgeeinheit Rot-Iller

Eine reiche Witwe

Norbert war ein begnadeter Prediger und Netzwerker. Die vielen neuen Klöster waren nur möglich durch die vielen wohlhabenden Laien, die sich der Bewegung nahe fühlten und großzügige Stiftungen machten. So war es auch in Mönchsroth, wie Rot lange hieß. Die Gründung wurde hier ermöglicht durch die Schenkung der Witwe eines Ritters aus Graubünden. Hemma von Wildenberg, die ursprünglich aus Wolfertschwenden im Unterallgäu kam, überließ den „Weißen Mönchen“ die Ländereien ihrer Mitgift und Erbschaft im Iller- und im Rottal. Der Prämonstratenserorden zeichnete sich von Anfang an durch eine große Wertschätzung weiblicher Frömmigkeit aus. Frauen – vor diesem Hintergrund ist auch die großzügige Schenkung Hemmas zu sehen – suchten die Nähe der Gemeinschaft. Gerade in der Frühzeit entstanden viele der Neugründungen auch als Doppelklöster. Und so entstand auch in Mönchsroth 1140 neben dem Männerkloster ein Frauenkloster, das bis Ende des 14. Jahrhunderts bestand, ungefähr dort, wo heute die Bruderschaftskirche St. Johann steht.

Bruderschaftskirche St. Johann. Hier war der Standort des Roter Frauenklosters. Foto: Herbert Eichhorn

Blütezeiten und Krisen des Klosters

Mönchsroth und das im gleichen Jahr gegründete Ursberg waren die ersten Prämonstratenserklöster in Süddeutschland. Rot erlebte eine schnelle Blüte, die sich auch in zahlreichen Tochterklöstern zeigt. 1138 entstand Wilten bei Innsbruck, 1145 Weißenau, das wiederum Mutterkloster für Schussenried wurde, 1147 dann Steingaden, 1152 Kaiserslautern und 1171 schließlich Marchtal. Die Bedeutung des Klosters zeigt sich auch darin, dass es 1179 zur Reichsabtei erhoben und 1497 reichsunmittelbar wurde, also nun direkt dem Kaiser unterstand. In den folgenden Jahrhunderten erlebte Mönchsroth, das im Kreis der schwäbischen Klöster eher zu den ärmeren zählte, das übliche Auf und Ab von Krise und neuer Blüte. Es war vom Bauernaufstand 1525 genauso betroffen wie vom Dreißigjährigen Krieg, in dem es rund 200 mal geplündert wurde. Von wirtschaftlichen Blütezeiten zeugen bis heute die unterhalb des Klosters erhaltenen Teile der alten Ökonomiegebäude. Der Konvent leistete sich für seine der Gottesmutter und der Heiligen Verena geweihten Kirche immer wieder prächtige Neubauten, so in der Spätgotik und dann im Barock gleich zwei, mit nur etwa 80 Jahren Abstand. Von der ersten Barockkirche aus dem Ende des 17. Jahrhunderts sind heute noch zum Beispiel das Chorgestühl und die Sakristei erhalten.

Pfarrkirche St. Verena, die ehemalige Klosterkirche. Foto: Herbert Eichhorn

Das Ende der Klöster

Die zweite, 1786 geweihte Barockkirche, die wir heute vor Augen haben, markiert auch einen Schlusspunkt: Sie ist die letzte der großen schwäbischen barocken Klosterkirchen. Wenige Jahre später brachte die Säkularisation unter Napoleon für die Klöster das Ende. 1803 fiel Mönchsroth mit seinen ganzen Besitzungen in insgesamt 45 Dörfern, u.a. in Berkheim, Haidgau, Haisterkirch und Haslach, an Graf Ludwig von Wartenberg aus der Pfalz. In der Folgezeit wechselten die Besitzer des Klostergebäudes immer wieder. 1960 erwarb es die Diözese Rottenburg, die dort das Jugendhaus St. Norbert unterhält. Der ehemalige Grundbesitz des Klosters gehört seit 1989 der Münchner Bankiersfamilie von Finck. Für kurze Zeit kehrten übrigens auch noch einmal die Prämonstratenser zurück. 1949 erwarb die Abtei Windberg in Niederbayern das Kloster. Nach zehn Jahren musste der Versuch einer Wiederbelebung allerdings aufgegeben werden.

Das Logo des Jubiläumsjahres. Foto: Herbert Eichhorn

Vielfältiger Veranstaltungsreigen zum Jubiläum

900 Jahre wechselvolle Geschichte: Wenn das kein Grund ist, stolz zurückzublicken und zu feiern! Zumal die einstige Klosteranlage – also das Kloster, die Kirche, die Nebengebäude und ganz in der Nähe die Kirche St. Johann – immer noch die Gemeinde Rot a. d. Rot prägen. Die Seelsorgeeinheit Rot-Iller mit ihrem Pfarrer Prämonstratenser-Chorherr Johann-Baptist Schmid und ein sehr engagierter Jubiläumsausschuss des Kirchengemeinderats haben sich deshalb einiges einfallen lassen. Unterstützt von der Schirmherrin Baronin von Finck und weiteren Sponsoren haben sie einen äußerst vielfältigen und qualitätvollen Reigen an Veranstaltungen aufgestellt: festliche Gottesdienste, Wallfahrten, Konzerte und Vorträge. Das vollständige Programm wird in einer aufwändig gemachten Programmbroschüre vorgestellt, die auch ausführliche Texte zur Geschichte des Klosters umfasst. Das Programm kann aber auch von der Website der Seelsorgeeinheit heruntergeladen werden.

Gruppenbild nach dem Pontifikalamt zur Eröffnung des Jubiläumsjahrs, in der Mitte Abt Leopold Baumberger, Stift Wilten, und Pfarrer Pater Johannes-Baptist Schmid. Foto: Seelsorgeeinheit Rot-Iller

Das Jubiläumsjahr wurde bereits im letzten September eröffnet, u.a. mit einem Pontifikalamt, das Abt Leopold Baumberger vom Stift Wilten zelebrierte. Auch ein erster musikalischer Höhepunkt fand schon im letzten Jahr statt: Im Oktober dirigierte Sir John Rutter, einer der wichtigsten Komponisten moderner Sakralmusikmusik, ein Festkonzert in der Klosterkirche. Ebenfalls bereits im Oktober hielt der bekannte Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler einen Vortrag zum Thema „Kirche neu denken“.

Aus Rom kommt der Generalabt des Ordens

Ein Höhepunkt im Programm dieses Jahres ist sicher das Wochenende nach Fronleichnam, zu dem aus Rom der oberste Prämonstratenser anreist, Generalabt Dr. Jos Wouters. Am Freitagabend wird er nach einer Vesper am offiziellen Festakt zum Jubiläum teilnehmen. Im Rahmen dieser Veranstaltung hält Prof. Dr. Stefan Petersen seinen Festvortrag „Die Anfänge des Stiftes Rot a. d. Rot und der schwäbischen Prämonstratenserlandschaft“. Am Sonntag zelebriert dann Generalabt Wouters das Pontifikalamt zum Hochfest des hl. Norbert. Am 3. Juli gibt es einen Vortag von Pater Anselm Grün und am Kirchweihsonntag, 18. Oktober, einen Pontifikalgottesdienst mit dem Rottenburger Bischof Dr. Klaus Krämer.

Winterliche Ansicht der Klosteranlage, Foto: Seelsorgeeinheit Rot-Iller

Konzertreihe „Klang-WELT“

Vielversprechend klingen auch die Ankündigungen der Veranstaltungen in der Konzertreihe „Klang-WELT“ am 3. Mai, 6. September und 8. November. Hier musiziert immer ein namhafter Solist an der berühmten Holzhey-Orgel der Klosterkirche. Ergänzt wird das Konzert dann jeweils durch einen kurzen Impulsvortrag. Am 3. Mai kommt der Organist zum Beispiel aus dem Prämonstratenserstift Strahov in Prag, wo sich das Grab des hl. Norbert befindet. Am 6. September kommt der Impuls dann von Bundesministerin a. D. Annette Schavan. Am 27. Dezember endet schließlich das Jubiläumsjahr mit einem weiteren Pontifikalamt.

Festbier und Festwein

Selbstverständlich darf nicht unerwähnt bleiben, dass für das Jubiläum auch ein Festbier und ein Festwein angeboten werden. Auch das hat natürlich einen historischen Hintergrund. Das Kloster hatte eine eigene Brauerei und verfügte auch in der Nähe von Meersburg über eigene Weinberge. Klar, dass daher die Jubiläumsweine vom Staatsweingut in Meersburg stammen.

Insgesamt bleibt festzustellen, dass die Roter sich für das große Jubiläum ein angemessenes, würdiges Programm überlegt haben. Die Vielfalt der Veranstaltungen lässt die unterschiedlichsten Aspekte der langen Geschichte des Klosters aufblitzen. Schon allein beim Durchblättern der opulenten Festbroschüre wird einem klar, dass Mönchsroth tatsächlich eine Schlüsselrolle spielte in dem, was Prof. Petersen in seinem Vortrag die „schwäbische Prämonstratenserlandschaft“ nennen wird.
Herbert Eichhorn

Die Festbroschüre mit dem vollständigen Jubiläumsprogramm, die unter anderem in den Kirchen der Seelsorgeeinheit Rot-Iller ausliegt, ist fast vergriffen. Das Programm kann aber auch von der Website der Seelsorgeeinheit https://se-rot-iller.drs.de heruntergeladen werden.

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