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Der BUND nach dem Aus für das Biosphärengebiet in Oberschwaben:

„Weiterdenken statt einstampfen“

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Foto: BUND
Blick in den Saal des Evangelischen Gemeindehauses in Aulendorf, wo die Post-Biosphären-Konferenz stattfand.
veröffentlicht am: 10.02.2026
Autor: Martin Bachhofer, BUND
Lesedauer: ca. 5 Minuten

Aulendorf – Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat am 7. Februar mit rund 30 weiteren Akteuren bei einer Zusammenkunft in Aulendorf nach Wegen gesucht, wie sich Erfahrungen und Ideen aus dem Prozess zum Biosphärengebiet Allgäu-Oberschwaben umsetzen lassen. Das Ziel: Zeit und Geld, die in den Prozess investiert wurden, sollen nach dessen Aus im November 2025 nicht verschwendet sein. Stattdessen setzen sich die Beteiligten aus Umwelt- und Naturschutz dafür ein, die Region Oberschwaben sinnvoll weiterzuentwickeln. Der Kreis der Teilnehmenden bestand laut Mitteilung des BUND aus einer „Koalition der Willigen „aus dem Biosphärenprozess, sowie einzelnen Vertretern aus behördlichen Kreisen und der Forschung. Nachstehend die Mitteilung des BUND im Wortlaut:

Das Post-Biosphären-Treffen hat am 7. Februar im Evangelischen Gemeindehaus in Aulendorf stattgefunden. Foto: BUND

Martin Bachhofer, BUND-Landesgeschäftsführer: „Wir wollen möglichst konstruktiv an den Zielen und Leitprojekten weiterarbeiten, die der Prozess trotz des Misstrauens und der teils unsachlichen Kampagne der Gegner*innen hervorgebracht hat. Diese haben immer wieder behauptet, dass die Konzepte eines Biosphärengebietes auch ohne dessen Ausweisung umgesetzt werden können. Die Aussagen nehmen wir beim Wort und erwarten, dass sich die kritischen Stimmen nun auch entsprechend bei alternativen Lösungen einbringen. Auf die großen Worte müssen Tat folgen!“

Unser Bild zeigt von links Bruno Sing (Vorstand des BUND-Ortsvereins Aulendorf) Maike Hauser (Geschäftsführerin BUND Bodensee-Oberschwaben) und Christoph Schramm (Referent Landwirtschaft und Wald beim  BUND Baden-Württemberg). Foto: Roland Reck (Blix)

Maike Hauser, Regionalgeschäftsführerin BUND Bodensee-Oberschwaben: „So bedauernswert die Absage an das Biosphärengebiet auch ist: Wir wollen bewusst nicht über das Scheitern der Idee jammern, sondern die zahlreichen Ideen daraus nicht verloren geben. Dabei haben wir auf Basis der bereits im Prozess herausgearbeiteten Leitprojekte den Fokus vor allem auf die notwendigen Strukturen für eine erfolgreiche Umsetzung gelegt – denn nun müssen wir die Umsetzung der Themen neu denken – ohne Biosphärengebiet.“

Intensiv wurde darüber nachgedacht, wie es nach dem Aus für das angedachte Biosphärengebiet in Oberschwaben in Sachen Natur- und Moorschutz weitergehen kann. Der BUND appelliert: „Zeit und Geld, die in den Prozess investiert wurden, sollen nach dessen Aus im November 2025 nicht verschwendet sein.“ Foto: BUND

Neu denken, geschlossen handeln

Die Teilnehmenden konzentrierten sich dabei vor allem auf die umweltrelevanten Themenbereiche Wald, Jagd und Fischerei, Moorschutz, Wirtschaft und Klimaschutz, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Ernährung und Regionalvermarktung sowie Landwirtschaft.

Die Konferenz hat gezeigt, dass es bereits brauchbare organisatorische Strukturen für die Umsetzung gibt, wie etwa den Landschaftserhaltungsverband (LEV), den politischen Regionalverband (RVBO), das Interkommunale Zentrum für Moorschutz (IKZ) oder die LEADER-Regionen. Allerdings brauchen sie finanzielle und personelle Ressourcen, um die Projekte aus dem Prüfprozess umsetzen zu können. Etwa um neue Produkte und Dienstleistungen für den Moorschutz an den Markt zu bringen, die Umweltbildung regional besser zu vernetzen und dafür zu sorgen, dass die Leistungen der Land- und Forstwirtschaft für Klimaschutz, Artenvielfalt und den Wasserschutz endlich besser honoriert und vergütet werden. Neben dem Aufbau dieser Strukturen müssen auch erste Pilotprojekte starten, um Mut zu machen für eine Transformation und Nachahmer*innen zu gewinnen. Hier ist den Teilnehmenden der Konferenz insbesondere die Vernetzung von landwirtschaftlichen Betrieben mit Unternehmen, die Pflanzen aus Mooren verarbeiten, ein Anliegen. In anderen Regionen ist das bereits praktisch erprobt und wirtschaftlich rentabel. Diese Ansätze sollen nun geschlossen im weiteren Dialog und in künftigen Gremien vorgebracht werden.

Hauser: „Statt einer lähmenden Abschlussveranstaltung zum Biosphärenprozess wünschen wir uns einen kreativen und motivierten Auftakt in eine neue Phase der regionalen Zusammenarbeit. Für eine intakte Natur und nachhaltiges Wirtschaften braucht es viele Schritte und Verbündete in der Bevölkerung, Politik, Wirtschaft und Forschung sowie in Institutionen und Behörden. Sie alle laden wir ein, sich konstruktiv für die Umsetzung der Leitprojekte und Ziele zu engagieren und gemeinsam eine organisatorische Struktur dafür zu erarbeiten – auch diejenigen, die das Biosphärengebiet rigoros ablehnten.“

Bachhofer: „Polarisierung und Spaltung bringen uns nicht weiter. Statt jeweils eigene Süppchen zu kochen, gilt es nun, Interessen zu bündeln und eine konstruktive und wirksame organisatorische Struktur aufzubauen, die eine nachhaltige Entwicklung Oberschwabens stärkt.“

Hintergrund: Biosphärengebiet Oberschwaben

Die Möglichkeit eines Biosphärengebiets in Allgäu-Oberschwaben hatte die Landesregierung 2021 in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart. In den Landkreisen Biberach, Ravensburg und Sigmaringen war die Initiierung eines Biosphärengebiets angedacht, welches auf die erfolgreichen Biosphärengebiete auf der Schwäbischen Alb (seit 2008) und im Südschwarzwald (seit 2016) folgen sollte. Ziel von Biosphärengebieten ist es, als Modellregion zu zeigen, wie sich Wirtschaft, Wohnen und Tourismus möglichst im Einklang mit Natur und Umwelt entwickeln lassen. Sie gliedern sich in möglichst unberührte Kernzonen, überwiegend geschützte Pflegezonen und Entwicklungszonen. Letztere sollen als Lebens- und Wirtschaftsraum innovative Modellprojekte für eine ökologisch und sozioökonomisch nachhaltige Entwicklung ermöglichen. Im Herbst 2025 kam es zu mehreren Negativbeschlüssen gegen das Biosphärengebiet in relevanten Gemeinderäten. Der Prozess wurde offiziell am 13. November 2025 beendet.

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Martin Bachhofer, BUND
veröffentlicht am
10.02.2026
Lesedauer: ca. 5 Minuten
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